Gewalt an Pflegeschulen: Caritas fordert Gleichstellung beim Zugang zu Schutzkonzepten in NRW
Wenn es in Bildungseinrichtungen der Pflege- und Gesundheitsberufe in Nordrhein-Westfalen zu Gewalt kommt, fehlt bislang ein offizieller Notfallplan – anders als an allgemeinbildenden Schulen. Dabei gewinnen Vorsichtsmaßnahmen und Unterstützungsstrategien zunehmend an Bedeutung: Gewalt an Schulen wird heute mit umfassenden Konzepten begegnet, die Prävention, Krisenmanagement und konkrete Maßnahmen in akuten Risikosituationen umfassen. Hintergrund ist ein steigendes Gewaltpotenzial, etwa gegenüber Lehrkräften oder Mitschülern.
Umso problematischer ist, dass Bildungseinrichtungen der Pflege- und Gesundheitsberufe in Nordrhein-Westfalen von dieser politischen und öffentlichen Unterstützung bislang ausgeschlossen sind – während sie in anderen Bundesländern längst selbstverständlich ist.
„Nicht nachvollziehbar“, kommentiert Kathrin Folz, Leiterin der Pflegeakademie in Datteln. „Wir sind bei diesen Hilfsmaßnahmen außen vor.“ Mit „wir“ meint Folz die 27 katholischen Pflegeschulen im Bistum Münster. Gewalt-Situationen in unterschiedlichen Formen betreffen auch diese Ausbildungsorte. „Wir sind keine Inseln der Glückseligkeit, an denen gesellschaftliche Entwicklungen vorbeifließen.“
An der Pflegeakademie zeigen sich die Herausforderungen „verbal und körperlich“, so Folz. Mobbing, Beschimpfungen, Drohungen, respektlose Umgangsformen und vereinzelt Sachbeschädigungen – wie das mutwillige Zerstören einer Demonstrations-Puppe für die Säuglingspflege – seien Beispiele für diese Entwicklungen.
Die Schule reagiert mit Präventions- und Schutzmaßnahmen: Lehrkräfte erhalten Fortbildungen und Deeskalationstraining, Auszubildende nehmen an Präventionsschulungen teil, und Krisenkonzepte sind fest im Lehrplan verankert. Doch weitergehende Unterstützung von Seiten der Politik und der zuständigen Ministerien bleibt aus.
Das Positionspapier des Caritasverbandes für die Diözese Münster kritisiert diese Situation deutlich: „Es muss eine Gleichbehandlung von Pflegeschulen mit allgemeinbildenden Schulen beim Zugang zu Schutz-, Krisen- und Notfallkonzepten geben“, fordert Jonas Vorderwülbecke, Referent für Pflege und Pflegeausbildung. Trotz einer zweijährigen Diskussion mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW habe es bislang keine konkreten Ergebnisse gegeben.
Pflegeschulen sind weiterhin vom Zugang zu etablierten schulischen Schutzkonzepten, Informationen und polizeilichen Konflikt-Strategien ausgeschlossen. Vorderwülbecke erklärt: „Im Ernstfall fehlen Hinweise zu Ansprechpartnern, Meldeketten oder Sofortmaßnahmen.“ Folz ergänzt: „Wenn es bei uns zu einer Situation schwerer Gewalt käme, wären wir erst einmal auf uns allein gestellt.“
Das Positionspapier fordert eine schnelle Regelung der politischen Zuständigkeit und die verbindliche Aufnahme der Gesundheits- und Pflegeschulen in das schulische Schutzkonzept. „Wir brauchen jetzt keine weiteren Ankündigungen, sondern eine konkrete Lösung“, so Vorderwülbecke. Diese Forderung wird von weiteren Akteuren wie der Lindenburg Akademie der Uniklinik Köln, den Lucy-Romberg-Pflegeschulen der Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Westliches Westfalen und dem Landesverband NRW des Bundesverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe unterstützt.
Zur Pressemitteilung: https://www.caritas-bistum-muenster.de/aktuelles/presse-und-medien/presse/beim-thema-gewalt-fehlt-den-pflegeschulen-die-hilfe-vom-land-e4f0a50e-0a2c-4693-ab65-03c9eea063fd
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