Neue Modellvorhaben öffnen Rehaeinrichtungen für die Pflegeausbildung
Rehabilitationseinrichtungen können künftig erstmals im Rahmen befristeter Modellvorhaben Träger der praktischen Pflegeausbildung werden. Möglich macht das das Pflegefachassistenzeinführungsgesetz vom Oktober 2025. Der Verband der Privatkrankenanstalten in Bayern (VPKA Bayern) bewertet diese Öffnung als bedeutende Neuerung und als überfälliges Signal für eine breiter aufgestellte Pflegeausbildung.
Bislang waren Rehabilitationseinrichtungen von dieser Rolle ausgeschlossen. Reguläre Träger der praktischen Ausbildung konnten bisher nur zugelassene Krankenhäuser sowie stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sein. Mit der neuen gesetzlichen Regelung wird Reha-Kliniken nun erstmals die Möglichkeit eröffnet, im Rahmen wissenschaftlich begleiteter Modellvorhaben zu zeigen, ob und unter welchen Bedingungen sie sich dauerhaft als Ausbildungsorte eignen.
Für den VPKA Bayern ist diese Entwicklung ein wichtiger Fortschritt. „Das ist zwar noch kein flächendeckender Einstieg, aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Reha-Kliniken erhalten damit die Möglichkeit, ihre Kompetenz in der Ausbildung sichtbar zu machen“, erklärt VPKA-Geschäftsführer Michael Strobach.
Aus Sicht des Verbands trägt die neue Regelung einer Realität Rechnung, die in der pflegerischen Versorgung längst besteht. Pflege findet nicht nur in Akutkliniken, in der Langzeitpflege oder im ambulanten Bereich statt, sondern auch in der Rehabilitation. Gerade dort erwerben Pflegefachpersonen Kompetenzen, die für eine moderne Versorgung von großer Bedeutung sind: Sie begleiten Patientinnen und Patienten über längere Behandlungsverläufe, versorgen chronisch kranke Menschen, fördern Selbstständigkeit und arbeiten eng mit anderen Berufsgruppen zusammen.
„Die Rehabilitation kann diese Bereiche sinnvoll ergänzen“, betont Strobach. „Dort werden pflegerische Kompetenzen vermittelt, die für eine moderne Versorgung wichtig und wertvoll sind.“
Gleichzeitig macht der VPKA Bayern deutlich, dass die jetzige Öffnung zunächst nur ein erster Schritt ist. Eine reguläre Zulassung als Träger der praktischen Pflegeausbildung ist damit noch nicht verbunden. Die Modellvorhaben müssen vom Bundesgesundheitsministerium genehmigt, wissenschaftlich begleitet und ausgewertet werden. Zudem ist ihre Laufzeit auf fünf Jahre befristet.
Dennoch sieht der Verband in der Neuregelung ein positives und längst notwendiges Signal. Seit Jahren fordern Rehabilitationseinrichtungen und ihre Verbände, die Pflegeausbildung breiter aufzustellen und die Reha als Lernort nicht länger auszuschließen. Aus Sicht des VPKA Bayern ist die neue Möglichkeit deshalb mehr als nur ein Pilotversuch: Sie ist ein Test dafür, ob das Ausbildungssystem der tatsächlichen Vielfalt pflegerischer Versorgungsrealität künftig besser gerecht werden kann.
In Bayern haben sich bereits drei Mitgliedseinrichtungen des VPKA auf diesen Weg gemacht. Der Verband begleitet diesen Prozess aktiv, stellt Kontakte her und vermittelt an seinen Dachverband, den Bundesverband Deutscher Privatkliniken (BDPK). Dort werden teilnehmende Einrichtungen bundesländerübergreifend vernetzt, damit Erfahrungen, Unterlagen und Wissen weitergegeben werden können.
Für den VPKA Bayern ist die Öffnung auch mit Blick auf den Fachkräftemangel von Bedeutung. Wer mehr Menschen für Pflegeberufe gewinnen wolle, müsse geeignete Ausbildungsorte nutzen und die Breite des Berufsfelds sichtbar machen. Eine moderne Ausbildung müsse daher stärker abbilden, dass Pflege in unterschiedlichen Versorgungsbereichen stattfindet – und dass die Rehabilitation dabei eine eigenständige und relevante Rolle spielt.
Der Verband ruft deshalb weitere Rehabilitationseinrichtungen in Bayern dazu auf, eine Beteiligung an den Modellvorhaben zu prüfen. Ziel bleibt für den VPKA Bayern, dass aus der zeitlich befristeten Erprobung langfristig eine reguläre Erweiterung der Pflegeausbildung wird.
Zur Pressemitteilung: https://www.vpka-bayern.de/aktuelles/pressemitteilungen/artikel/auch-reha-kann-pflegeausbildung
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